Neue Nähe Hackathon Teil 2: Freitag, 30.06.2017: Emotionale Abschiede und leise Achterbahnfahrten

Es war der letzte Tag meines Praktikums bei Microsoft. Ein sehr emotionaler Moment war für mich, als sich mein Manager von mir verabschiedete. Wahnsinn, wie schnell so ein halbes Jahr vergeht! Es war eine Zeit voller spannender Momente und tollen Begegnungen! Sich jetzt wieder auf etwas unbekanntes einzustellen, ist schon sehr ungewohnt.

Ich schrieb an meinem allerletzten Blogbeitrag für die weltweite Microsoft-community und hatte mal wieder völlig die Zeit vergessen. Marco kam zu uns ins Büro und wollte mich abholen. Ich räumte mir noch eine halbe Stunde ein, da ich noch nicht ganz mit dem Eintrag fertig war. Als er dann noch mal kam, veröffentlichte ich gerade den Blog, war also so gut wie bereit. Schweren Herzens verabschiedete ich mich noch von meiner Kollegin und verließ gemeinsam mit Marco das Office. Wir entwerteten meine Karte und machten uns anschließend auf den Weg zu seinem Auto. Dann ging die Fahrt los.

 

Da Marco eigentlich um 15:00 Uhr bei der Veranstaltung sein musste, um sie zu moderieren, war es zeitlich ein bisschen knapp. Ich machte mir ein wenig vorwürfe, schließlich waren wir wegen mir später losgefahren. Doch der Verkehr machte uns einen Strich durch die Rechnung. Und wir standen im Stau. Das Navi zeigte 15:45 als Ankunftszeit an, also würden wir zu spät kommen. Marco telefonierte mit Kollegen und es stellte sich heraus, dass die Speaker, die eigentlich für den Freitagabend geplant waren, im selben Stau standen wie wir, bloß noch weiter hinten. Es wurde also entschieden, die talks auf den Samstag zu legen. Wir kamen nicht rechtzeitig, aber sicher in Erlangen an, das war die Hauptsache!

 

Bevor wir zur Veranstaltung fuhren, holten wir noch etwas bei Marco zu Hause ab. Seine Frau und seine kleine Tochter begrüßten uns freudig. Marcos Frau gab mir ein Glas Wasser und wir unterhielten uns kurz in der Küche. das Mädchen war ganz aufgeregt, denn sie hatte noch nie zuvor einen blinden Menschen gesehen. Es freut mich, wenn Kinder damit „konfrontiert“ werden. Sie sind viel unbefangener als Erwachsene. Marco entschied, seine Tochter mitzunehmen. Wir fuhren also zu dritt zum Hackathon.

 

Als wir ankamen, hatte die Veranstaltung bereits begonnen, denn es war nicht mehr möglich gewesen, die Begrüßung zu verschieben. Gerade stand ein blinder Mann mit seinem Laptop auf der Bühne. Er zeigte, wie man ohne Maus navigiert und machte darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, bei Websites auf Barrierefreiheit zu achten. Dies zeigte er an einem Formular, das nicht barrierefrei gestaltet war. An einem Video demonstrierte er dann, wie schwierig es für uns blinde Personen ist, mit technischen Geräten, die nur mit einem Touchscreen ausgestattet sind, umzugehen.

Das Beispiel war eine Kaffeemaschine und natürlich fiel mir da sofort die Bedienerunfreundlichkeit der Kaffeemaschine bei Microsoft im Office ein. Diese war nämlich auch nur mit Touch zu bedienen. Nicht, dass ich Kaffee trinke, aber auch die Möglichkeit, mir einen Tee zu kochen, blieb mir mit dieser Konstruktion verwehrt.

Der Vortrag gefiel mir sehr gut. Als er geendet hatte, wurde der Mann direkt neben mich auf den freien Platz gebracht. Ich begrüßte ihn, stellte mich vor und lobte ihn für seinen tollen Vortrag. Er stellte sich als Bahadddin vor.

Auch von meiner Erfahrung mit der Kaffeemaschine im Office erzählte ich ihm. Er verstand mich natürlich sehr gut. Aber nicht nur mich hatte sein Vortrag begeistert. Wir wurden von verschiedenen Personen daraufhin zu der Bedienung von Websites, aber am allerhäufigsten bezüglich der Kaffeemaschine befragt. Dann ging Marco auf die Bühne und erzählte kurz, in welchen Räumen wir uns während des Hackathon aufhalten durften. Daraufhin folgte ein Vortrag über ChatBots. Solche Bots können mithilfe von künstlicher Intelligenz mit dem Benutzer kommunizieren. In manchen Ländern werden sie verwendet, um Geld zu überweisen.

Nach dem Vortrag gab es Chili Con Carne mit Brot zum Abendessen.

Dabei ergaben sich sehr interessante Gespräche mit Studenten der Universität Erlangen. Danach stellte sich ein Projekt aus Düsseldorf mit dem Namen PICSL vor. Das Project unterstützt Menschen, die selten oder gar nicht mit technischen Geräten in Berührung kommen, bietet Kurse und Schulungen an und programmiert Anwendungen, um das Leben für diese Personengruppe technisch zu erleichtern.

Der Gründer von PICSL und drei Mitarbeiter hielten den Vortrag. Alle Mitarbeiter hatten selbst eine Behinderung.

 

Nach und nach formierten sich die Teilnehmer zu Gruppen und schmiedeten erste Pläne für die Umsetzung von Apps oder Websites. Ich fand es ein bisschen schade, dass ich nicht programmieren konnte, denn so hätte ich ein wenig unterstützen können. Aber es wartete schon etwas anderes spannendes auf mich! Florian Thurnwald, ein Werkstudent bei Microsoft begrüßte mich. Wir hatten ein paar Wochen zuvor bezüglich der HoloLens, einer Brille, die von Microsoft entwickelt wurde, miteinander zu tun. Er hatte mir damals angeboten, die Brille zu testen. Obwohl ich keine Sehkraft habe, war es mir möglich, mit der HoloLens Geräusche zu orten. Je näher ich einem Objekt kam, desto lauter wurde der Ton.

Ich freute mich sehr, Florian zu sehen. Er erzählte mir, welche Strapazen er mit dem E-Auto auf sich nehmen musste. Es ist nämlich gar nicht so einfach, wenn man nur noch wenige Kilometer mit dem Auto zurücklegen kann, weil der Strom knapp ist und die nächste Ladestation zu weit weg.

Florian fragte, ob ich mit zur nächsten Ladestation fahren möchte.

Ich war sehr begeistert, denn mit einem Elektroauto zu fahren, wünschte ich mir schon länger.

 

Zuerst hatte ich das Gefühl, in ein normales Auto einzusteigen, aber dann, als wir los fuhren, hörte ich den Motor gar nicht. Das Gefühl, als wir schneller wurden, war atemberaubend. Es fühlte sich an, wie in einer Achterbahn zu sitzen. Einfach nur toll! wir hörten Musik, genauergesagt Flos Lieblingsband, die ich noch nie zuvor gehört hatte.

Aber ich bin sehr offen, was Musik angeht.

Dann hielten wir an der Ladestation. Wir stiegen aus und er zeigte mir, wie man das Auto an den Strom anschloss.

Jetzt hieß es 20 bis 30 Minuten warten, denn so lange braucht das Auto, um aufgeladen zu werden. Aber das machte nichts, denn wir hatten Musik und Gespräche. Als das Auto wieder mit genügend Strom versorgt war, machten wir uns auf den Rückweg.

 

Als wir wieder beim Hackathon ankamen, wurden wir schon erwartet. Alexandra und Ulli, die beiden Mitarbeiterinnen der Aktion Mensch, wollten ins Hotel fahren. Wir suchten Bahaddin. Er war mit einigen anderen in einem der Coding-Räume , tüftelte und beriet. Er arbeitet selbst als Programmierer.

Das Team hatte ein sehr spannendes Projekt: Sie wollten eine Website erstellen, die eine Plattform für Menschen mit Behinderung schafft, damit man Probleme schildern kann und Hilfsmittel auflisten, die es bereits für die Problemlösung gibt. Es sollte ein Austausch zwischen Programmierern und Menschen mit Behinderung werden. Da es aber ziemlich schwierig wäre, die Website für alle Zielgruppen barrierefrei zu gestalten, kamen sie zu dem Schluss, es vorerst für Blinde auf zu bereiten. Die Website kann dann auch stetig erweitert und auf andere Zielgruppen angepasst werden.

 

Nach diesem aufregenden Tag fuhren wir mit dem Auto zum Hotel. Alexandra brachte mich zu meinem Zimmer. Nach dem sie mich noch mal anrief, um mir zu sagen, dass sie mich am nächsten Morgen um 9:00 Uhr zum Frühstück abholen würde, ging ich ins Bett. Da ich mir leider nichts zum Schreiben mitgenommen hatte, nahm ich mir ein paar Notizen auf mein Handy auf. Wäre ja schlimm, wenn ich etwas vergesse.

 

Neue Nähe Hackathon Teil 1: Ein Hackathon für Menschen mit und ohne Behinderung

Teil 1: Ein Hackathon für Menschen mit und ohne Behinderung

Von Freitag 30.06. bis Sonntag, 02.07.2017 fand in Erlangen der zweite „Neue Nähe Hackathon“ der Aktion Mensch und Microsoft statt. Durch den Aufruf der App CUBUS, die über Veranstaltungen und Berichte für blinde und Sehbehinderte informiert,

erfuhr ich von diesem Event.

Ein Hackathon ist ein Programierwettbewerb. Spaß und ausprobieren stehen bei solchen Veranstaltungen im Vordergrund.

Die drei Sieger des „Neue Nähe Hackathon“ werden mit einem Preisgeld ausgezeichnet und sollen, wenn möglich, die Produkte im Anschluss an die Veranstaltung weiter entwickeln.

Da ich bis zum 30.06.2017 Praktikantin bei Microsoft war, kontaktierte ich gleich Astrid Auperle, die als Ansprechpartnerin für interessierte angegeben wurde.

Sie ist für soziales Engagement bei Microsoft zuständig.

Nach kurzem Mail-Austausch leitete sie mich an Marco Richardson weiter, der an dem Hackathon teilnehmen würde. In einem kurzen Gespräch erzählte er mir dann vom ersten „Neue Nähe“ Hackathon, der im Dezember 2016 in Berlin stattfand. Bereits im März erfuhr ich durch meinen Manager des Teams, in dem ich während des Praktikums war, von diesem Event.

Ich sah mir Videos von den Ergebnissen des letzten Hackathon an.

 

Marco versprach mir, sich mit der Aktion Mensch in Verbindung zu setzen, um den Aufenthalt in Erlangen während der drei Tage für mich zu organisieren. Eine Woche nach diesem Gespräch trafen wir uns wieder, um alles organisatorische zu klären. Wir würden gemeinsam vom Microsoft Office München nach Erlangen fahren. Ein Hotelzimmer wurde auch organisiert. Die gesamten Kosten übernahm die Aktion Mensch.

Das Abenteuer konnte beginnen!

 

 

Die Teppich Taufe

An einem schönen, sonnigen Sonntag war die ganze Familie beisammen. Meine Schwester mit ihrem Sohn, meine andere Schwester, unsere Eltern und ich. Meine Mutter hatte kürzlich einen neuen Teppich gekauft und ihn am Vortag in unser Esszimmer gelegt. Wir saßen am Tisch und mein kleiner Neffe, neugierig und groß wie er schon war, wollte Wasser aus einer normalen Flasche trinken. Das ging auch eine Zeit lang ganz gut, irgendwann jedoch ,ging etwas daneben. Genau auf den neuen Teppich. Es war nicht schlimm, da es nur Wasser war, und so wurde der Teppich von meinem nun schon 1 ½-jährigen Neffen, getauft. Nur einen Namen hat das gute Stück noch nicht. Den dürfen sich meine Leserinnen und Leser gerne aussuchen. Ich bin gespannt und freue mich auf eure Vorschläge.

 

Bahnhof Poetry

Vor kurzem fuhr ich, gemeinsam mit meinem Vater, meinen Freund zum Bahnhof. Dort angekommen mussten wir ein wenig auf den Zug warten. Da war ein Mann, der herumlief und unentwegt einen Text rezitierte. Es hörte sich an, wie eine Predigt einer Sekte oder mittelalterlich wirkenden Religion, oder irgendetwas anderes, was mit dem Mittelalter zu tun hat. Mein Vater beschrieb, dass er ganz schwarz angezogen war und einen Koffer und einen Bilderrahmen bei sich trug. Mir machte das echt Angst. ich dachte, dass er sich jeden Augenblick auf die Schienen werfen würde. Er sagte auch etwas von „Gesindel“. Entweder waren wir, die über ihn redeten damit gemeint, oder es gehörte zu seinem Stück. Eine Frau, die ebenfalls am Bahnsteig wartete, erklärte uns, dass der Mann ein Schauspieler sei öfter am Bahnhof wäre, meistens mit der S-Bahn führe und normalerweise bunt angezogen war. Okay, dachte ich! Der ist völlig ungefährlich. Möchte nur seinen Text üben,

aber kann man das dann nicht irgendwo anders tun? Still für sich?

Ich erzählte Freunden von dieser Begegnung. Viele sagten, dass es mutig von ihm ist, sich dort hin zu stellen und zu rezitieren. Im Nachhinein betrachtet finde ich das auch. Ganz ehrlich schäme ich mich auch etwas dafür, nicht tolerant gewesen zu sein und mich sogar ein bisschen gegruselt zu haben.

Es war für mich einfach neu. Wenn das in Zukunft öfter vorkommen würde, zum Beispiel mit einem Bahnhof-Poetry-Slam, dann wäre das auch überhaupt nichts Besonderes mehr.

Genauso ist das mit der Inklusion. Je öfter Menschen mit Behinderung in den Alltag von Menschen ohne eine Einschränkung integriert werden, desto weniger ungewohnt ist das dann auch!

Ich habe wirklich ein bisschen an mir und meiner Toleranz gezweifelt!

Schließlich möchte ich selbst akzeptiert und toleriert werden.

Also möchte ich im Gegenzug andere Menschen ebenso akzeptieren! Das tue ich meistens auch, aber da ich auf dem Bahnhof die Situation überhaupt nicht einschätzen konnte, war es für mich befremdlich.

Im Nachhinein fände ich es toll, wenn es öfter Menschen gäbe, die Texte rezitieren. Es würde die Wartezeit auf die nächste Bahn netter gestalten.

Aber vielleicht bleibt das auch erst mal eine Einzigartigkeit, die aber dennoch akzeptiert werden sollte.

Ich wünsche dem Mann alles Gute und hoffe, dass ihm das üben auf dem Bahnhof geholfen hat!

 

Geht es dir wieder besser? … Ging es mir jemals schlecht?

Heute hatten wir Besuch von einem Bekannten. Wir haben ihn schon eine längere Zeit nicht mehr gesehen. er fragte mich: „Geht es dir wieder besser?“. Ich war etwas verwirrt, habe aber dann gemerkt, dass er meine Blindheit meint. Es war sicher nicht böswillig gemeint. ER hatte sich einfach interessehalber erkundigt, aber diese Frage führt zu einem Thema, über das ich gerne schon längere Zeit schreiben würde.

 

Es wird oft unterschieden zwischen Gesunden und Behinderten.

Diese Unterscheidung wird auch oft von den Personen mit Behinderung selbst getroffen.

 

Aber warum?

 

Wenn man ein Handicap hat, ist man doch nicht gleichzeitig krank… oder etwa doch?

 

Und meine Antwort dazu lautet: Definitiv nein!

 

Krank ist man, wenn man eine Grippe oder etwas schlimmeres wie beispielsweise Krebs hat.

 

Aber eine Behinderung hat nichts damit zu tun!

Man leidet nicht darunter.

Man ist auch nicht jeden Tag deprimiert darüber, weil das Schicksal einen dazu verdonnert hat!

Für die Person muss auch nicht gebetet werden, damit die Behinderung wieder weg geht!

Man will nicht unbedingt etwas verbessern, selbst, wenn die Medizin es möglich machen würde. Bei dieser Ausssage ist zu beachten, dass es natürlich trotzdem Menschen gibt, die sich wünschen, ein Leben ohne Behinderung zu führen!

Man ist nicht besonderer als andere.

Man findet sich damit ab, lebt damit und zwar nicht unbedingt im Nachteil!

Man hat einige Vorteile. Und auch Menschen ohne eine Einschränkung profitieren von diesen Vorteilen. Beispielsweise, wenn es darum geht, gemeinsam die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, ein Besuch im Kino usw.

 

Es sind nur einige Beispiele, die beweisen, dass wir nicht krank sind!

 

Wir leben genauso gerne wie Menschen ohne Behinderung.

 

Und es gibt nicht den Unterschied zwischen Behindert und gesund!

Das Gegenteil von Gesund ist, soweit ich es gelernt habe, krank!

Folge dessen kann das Gegenteil von Gesund nicht gleichzeitig behindert sein!

 

Vielleicht seht ihr das anders, vielleicht aber auch genauso? Lasst es mich gerne wissen!

 

 

Es ist ganz normal

Mein kleiner Neffe ist fast 1/2 Jahre alt. Er kann schon etwas sprechen und wir können auch wunderbar zusammen spielen. Er liebt Bälle über alles! Das erste Mal, als mir auffiel, dass er merkte, dass ich anders bin war, als er mir den Ball direkt in die Hand legte. Ich konnte ihn dann zu seinem Opa werfen. Das zweite Mal war, als er immer, wenn er mir den Ball zuwarf, meinen Namen sagte. Er kann ihn noch nicht aussprechen, aber seit dem wir alle gemeinsam im Urlaub waren, sagt er „I“ zu mir. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass ich Franzi heiße und „I“ einer der wenigen Buchstaben des Namens ist, den er schon aussprechen kann. Am Anfang glaube ich, trennte er noch gar nicht so, da hießen alle aus der Familie „I“, weil alle unsere Namen mit „I“ enden. Aber seit neuestem unterscheidet er schon zwischen den Personen.

Er ist einfach so ein wunderbares, tolles und lebhaftes Kind.

Ein Sonnenschein in unserem Leben! Obwohl er sich noch nicht richtig ausdrücken kann, versteht er doch, dass ich nichts sehe. Das Beispiel mit dem Ball zuwerfen habe ich ja bereits erwähnt, aber da ist noch etwas ganz gravierendes. Das erste Mal, als es passierte war, als ich auf die Toilette gehen wollte. Er kam zu mir, nahm mich bei der Hand und führte mich zur Tür. Ich war ganz erstaunt und freute mich sehr, dass er dies tat. Auch, wenn wir zum Beispiel nach Draußen auf die Terrasse gehen, nimmt er meine Hand und führt mich hinaus. Wenn ich ihm sage: „Ein bisschen langsamer“, oder „Vorsicht“, versteht er es und achtet darauf.

Er hat viele verschiedene Bälle. Einen, der aus Stoff ist und den ich leider nicht höre, wenn er auf den Boden fällt. Ich bat ihn, einen anderen Ball zu verwenden, weil ich den besser höre und er hatte nichts dagegen.

Als wir eine ganze Weile nur zu zweit gespielt haben, hatten wir einen großen Ball.

Es war somit einfacher für mich, ihn zu finden, wenn mein Neffe ihn warf.

 

Ein Mal machten Oma, Opa und ich einen Ausflug zum nahegelegenen Bauernhof mit ihm. Als wir wieder zurück wollten, die anderen schon mit dem Kinderwagen losgefahren waren, ich aber noch kurz Zeit brauchte, um meine Handschuhe an zu ziehen, merkte er, dass ich nicht da war und rief „I!“ Die anderen bemerkten erst dann, dass ich mich nicht hinten am Kinderwagen festhielt.

 

Es sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie er wahrnimmt, dass ich nichts sehe. Ein bisschen anders bin als der Rest der Familie. Aber er nimmt es an, ohne es komisch zu finden. Er integriert mich auf seine eigene Art und Weise. Wenn er sich ein Mal ausdrücken kann, wird er bestimmt nach fragen, warum seine Tante ihn nicht sehen kann. Ich werde es ihm erklären und ihm mit Stolz sagen, dass er es schon ganz früh gemerkt hat!

 

Sehr stolz bin ich auf seine Mama, weil sie viel mit ihm spricht. Wenn sie zum Beispiel Videos von ihm macht, erklärt sie alles und auch im Alltag reden die beiden viel miteinander. Darum spricht er auch schon so gut und viel.

 

Er geht ganz natürlich mit mir um und nimmt mich so, wie ich bin! Als Mensch, aber vor allem als seine Tante Franzi „I“!

 

 

Workshop Audiodeskription Teil 4: Tag 3: Von unsichtbaren Fröschen und künstlichen Stimmen

Tag 3: Sonntag, 28.01.2018

Wieder um 09:30 Uhr trafen wir alle zusammen. Der Plan für heute war es, am Film „Tschick“ von gestern weiterzuarbeiten. Diesmal durften wir uns Szenen aussuchen. Entweder eine Szene, in der die Hauptfigur traurig ist oder eine andere, die etwas schwieriger zu beschreiben ist, da sie eine Sequenz enthält, die nur der Vorstellung der Hauptfigur entspricht. Unsere Gruppe entschied sich für die melancholische Szene, da es viele Sprechpausen gab und dadurch viel Zeit zum Beschreiben war. Einfach war es nicht. Wir hatten am Ende nicht so viel Beschreibungstext, da wir die melancholische Stimmung des Films rüberbringen wollten. Wir diskutierten kurz, ob wir die Zeit nutzen sollten, um die Hauptperson zu beschreiben, entschieden uns aber dagegen, da die Stimmung uns wichtiger erschien. Als wir dann alle zusammen die originale Audiodeskription anhörten, stellten wir fest, dass die Person kurz beschrieben wurde, also das, was wir nicht machen wollten. Herr Benecke war sehr zufrieden mit unserer aller Leistung.

Zum Abschluss gab er Tipps, welche Aussichten wir mit diesem Workshop hatten. Beim Bayerischen Rundfunk hätten wir keine Chance, uns zu bewerben, dafür aber beim NDR und WDR. Auch gibt es Firmen, wie TV Text international, Untertitelwerkstadt, Audioskript.

Da man mit drei Tagen Workshop noch nicht vollständig professionell arbeiten kann, empfiehlt es sich auch, bei einem bestehenden Team oder einzelnen Autoren zu hospitieren.

Dann zeigte er uns noch einige Filmbeispiele.

Unter anderem eine schon etwas ältere Waschmittelwerbung. Diese wurde mit AD ausgestattet, da eine blinde Frau mitspielte. Sie wurde dreisprachig entwickelt, was normalerweise bei AD unüblich ist: Deutsch, Französisch und Italienisch.

Ein wirklich schönes Beispiel finde ich die beiden Filme von Bibi Blocksberg. Der Schauspieler von Bernhard Blocksberg, Bibis Vater, übernahm den Sprecher der AD und kommentierte aus seiner Sicht das Geschehen. Das finde ich für Kinder wirklich toll, Audiodeskription erlebbar und lustig zu gestalten!

Es kommt auch vor, dass AD mit künstlicher Stimme hergestellt wird. Diese klingt wirklich schrecklich. Wie die künstliche Sprachausgabe meines Handys. Für einen richtigen Film nicht empfehlenswert! Allerdings fände ich das persönlich für YouTube-Videos klasse! Genauso wie man dort die Untertitel einstellen kann, so könnte man dann auch die AD einstellen. Also, wenn das hier jemand von YouTube liest, der melde sich bitte bei mir!

Im Herbst soll es ein Aufbauseminar geben. Allerdings muss man, um daran teilnehmen zu können, selbst schon in dem Bereich AD gearbeitet haben.

Ich könnte mir wirklich gut vorstellen, in diesem Bereich tätig zu sein. Nicht alleine, das weiß ich selbst, ist vollkommen unmöglich, aber es ist sehr wichtig, dass blinde Menschen in die Erstellung von Audiodeskription mit einbezogen werden. Sind doch wir diejenigen, die es am allermeisten brauchen!

Was mir sehr gefallen hat war, dass die Sehenden viel mehr für Geräusche sensibilisiert wurden. Zum Beispiel war es so, dass bei dem Film „Tschick“ in einer Szene Frösche zu hören waren, die mir sofort auffielen, meinen beiden Kolleginnen aber erst, nachdem ich das Froschquaken erwähnte. Eine der Beiden erzählte mir dann, dass die Frösche im weiteren Verlauf des Films noch eine Rolle spielen werden, weshalb es wichtig ist, das Hintergrundgeräusch, in dem Fall das Quaken, nicht zu übersprechen.

Ich bin sehr froh, an diesem Workshop teilgenommen zu haben. Dank gilt auch den Organisatoren, dem Referenten, Herrn Benecke, und vor Allem den Teilnehmer/innen, die sich für das Thema interessieren.