Neue Nähe Hackathon Teil 3: Samstag, 01.07.2017: Technik, Technik und verschlossene Türen bei Nacht

Tag zwei startete mit einem leckeren Frühstück im Hotel, das für mich aus einem Obstsalat bestand. Morgens esse ich nicht so viel.

Gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg zum Veranstaltungsort des Hackathon. Dort waren die Leute bereits fleißig am tüfteln und coden. Wahrscheinlich waren sie noch bis spät in die Nacht auf gewesen, um an Lösungen zu arbeiten! Dieses Engagement ist wirklich großartig!

Ich saß an einem Tisch mit den Leuten vom PICSL Labor und unterhielt mich viel mit Elisabeth. Sie kann nicht lesen und schreiben erzählte mir aber, dass sie, um am Computer in Facebook zu kommunizieren, eine Sprachausgabe nutzt. Das fand ich sehr beeindruckend, da ich irgendwie immer davon ausging, dass die Sprachausgabe nur von blinden und Sehbehinderten Menschen genutzt wird. Es war sehr bereichernd, dieses Gespräch mit ihr zu führen. Dann sprach mich ein Herr im Rollstuhl an. Er ist der Geschäftsführer von ACCESS-IFD, einem Unternehmen, welches sich in Erlangen dafür einsetzt, Menschen mit Behinderung bei der Vermittlung in Arbeit bzw. Praktika zu unterstützen.

Er gab mir einige hilfreiche Tipps, an welche Organisationen ich mich bezüglich Unterstützung zur Jobsuche wenden konnte. Danach ging es zum Mittagessen. Ich unterhielt mich mit einer der Helferinnen des Hackathon. Dann ging es weiter mit drei Fachvorträgen. Diese waren sehr techniklastig, weshalb sie sehr schwer für mich zu beschreiben sind. Im ersten und im zweiten Vortrag wurde jeweils ein Video von der App Seeing AI gezeigt, die von einem blinden App-Entwickler bei Microsoft programmiert wird. Diese hilft im Alltag, z. B. kann sie Schwarzschrifttexte vorlesen und vieles mehr.

 

Nach den Vorträgen hatte ich nicht so viel zu tun, also vertrieb ich mir die Zeit mit Quizduell spielen und unterhielt mich mit ein paar Leuten, die gerade nicht mit programmieren beschäftigt waren. Der Nachteil an fehlenden Programmierkenntnissen ist, dass man nicht versteht, worüber die Programmierer sprechen. Es fühllt sich an, wie in einer fremden Welt zu sein. Nach dem Abendessen begannen die „Stand-ups“, das bedeutet, dass die Teams ihre Projekte kurz vorstellen, wo genau sie gerade mit der Entwicklung standen und wie sie weiter vorgehen wollten. Plötzlich tauchte Florian wieder auf. Ich erkannte ihn an seiner Stimme sofort. Er fand es schade, denn er hatte sich ein Schild mit dem Namen Tom umgehängt. Tatsächlich hätte er mir, sollte ich seine Stimme nicht erkennen, behauptet, er hieße Tom. Aber an meiner Stimm-Erkennungs-Fähigkeit kommt selten jemand vorbei 😉

Flo-Tom und ich setzten uns in eine gemütliche Sofaecke. Er fragte, ob er mein Smartphone ausprobieren dürfe und auch, ob ich Lust hätte, das Windowstablet zu testen.

Er würde dafür „mal eben schnell“ eine App bauen, mit der ich ein bisschen experimentieren könnte. Die Zeit, in der die App entstand, spielte ich weiter Quizduell. Er meinte, dass er das auch mal gespielt hätte. Also bat ich ihn, es sich herunterzuladen, damit wir gegeneinander antreten konnten. Nach dem er die App heruntergeladen hatte, spielte ich mit seinem Handy gegen irgendwelche wildfremden Personen. Da er auch ein Iphone hatte, konnte ich das mit Voiceover spielen. Als er dann die App auf dem Windowstablet fertig gebaut hatte, versuchte ich, etwas in das vorgesehene Textfeld zu schreiben. Leider schaffte ich es nicht mal, die Buchstaben anzutippen. Flo ging es ähnlich und so beschlossen wir, dieses Experiment für gescheitert zu erklären. Dafür war etwas anderes umso erfolgreicher. Flo schaffte es innerhalb einer guten Stunde, eine Nachricht an mich in sein Handy mit Voiceover zu tippen. Es war zugegebenermaßen ganz lustig, ihm dabei zuzusehen. Die Bedienung mit Voiceover und dem Iphone ist nämlich für einen Sehenden ganz anders.

 

Auch wir wurden zu einem der stand-ups dazu geholt.

Es wurden viele Projekte für Menschen mit Seheinschränkung konzipiert. An dem Stand-up an dem wir teilnahmen, waren wieder die Leute von der Website vom Vortag. Wir versuchten gemeinsam einen Namen für das Projekt zu überlegen. Das war gar nicht so einfach. Ich finde das nicht so gut, wenn Produkte immer gleich auf die Art der Behinderung hinweisen. Aber ich glaube, dass der Name, den sich das Team ausdachte, nicht viel oder nur ansatzweise etwas mit Behinderung zu tun hat.

 

Danach spielten Florian und ich noch ein wenig am Computer. „Die Sims 4“ um genau zu sein.

Bisher habe ich nur „Sims 2 und 3“ gespielt. Also noch eine Primiere an diesem Wochenende. Leider kann ich nicht selbst spielen, aber wenn mir jemand erklärt, was gerade passiert, funktioniert das gut.

Und so wurde es kurz vor drei Uhr. Flo bot an, mich ins Hotel zurückzufahren, was ich dankend annahm. Dort wollte ich mit der Zimmerkarte aufsperren, aber es ging nicht. Anscheinend, weil ich die Karte in der Nähe eines Magneten, meinem Handy oder an Geld hatte, sodass sie sich entlud. Flo ging an die Rezeption.

Das war mir sehr unangenehm, erstens für ihn, da er mich hergefahren hatte und jetzt auch noch eine neue Karte besorgen musste und für den Rezeptionisten, der mir zu so später Stunde noch half. Danke an beide!

Dann konnte ich in mein Zimmer und schlafen.

 

 

 

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