Die Teppich Taufe

An einem schönen, sonnigen Sonntag war die ganze Familie beisammen. Meine Schwester mit ihrem Sohn, meine andere Schwester, ich und unsere Eltern. Meine Mutter hatte kürzlich einen neuen Teppich gekauft und ihn am Vortag in unser Esszimmer gelegt. Wir saßen am Tisch und mein kleiner Neffe, neugierig und groß wie er schon war, wollte Wasser aus einer normalen Flasche trinken. Das ging auch eine Zeit lang ganz gut, irgendwann jedoch ,ging etwas daneben. Genau auf den neuen Teppich. Es war nicht schlimm, da es nur Wasser war, und so wurde der Teppich von meinem nun schon 1/2 jährigen Neffen, getauft. Nur einen Namen hat das gute Stück noch nicht. Den dürfen sich meine Leserinnen und Leser gerne aussuchen. Ich bin gespannt und freue mich auf eure Vorschläge.

 

Bahnhof Poetry

Vor kurzem fuhr ich, gemeinsam mit meinem Vater, meinen Freund zum Bahnhof. Dort angekommen mussten wir ein wenig auf den Zug warten. Da war ein Mann, der herumlief und unentwegt einen Text rezitierte. Es hörte sich an, wie eine Predigt einer Sekte oder mittelalterlich wirkenden Religion, oder irgendetwas anderes, was mit dem Mittelalter zu tun hat. Mein Vater beschrieb, dass er ganz schwarz angezogen war und einen Koffer und einen Bilderrahmen bei sich trug. Mir machte das echt Angst. ich dachte, dass er sich jeden Augenblick auf die Schienen werfen würde. Er sagte auch etwas von „Gesindel“. Entweder waren wir, die über ihn redeten damit gemeint, oder es gehörte zu seinem Stück. Eine Frau, die ebenfalls am Bahnsteig wartete, erklärte uns, dass der Mann ein Schauspieler sei öfter am Bahnhof wäre, meistens mit der S-Bahn führe und normalerweise bunt angezogen war. Okay, dachte ich! Der ist völlig ungefährlich. Möchte nur seinen Text üben,

aber kann man das dann nicht irgendwo anders tun? Still für sich?

Ich erzählte Freunden von dieser Begegnung. Viele sagten, dass es mutig von ihm ist, sich dort hin zu stellen und zu rezitieren. Im Nachhinein betrachtet finde ich das auch. Ganz ehrlich schäme ich mich auch etwas dafür, nicht tolerant gewesen zu sein und mich sogar ein bisschen gegruselt zu haben.

Es war für mich einfach neu. Wenn das in Zukunft öfter vorkommen würde, zum Beispiel mit einem Bahnhof-Poetry-Slam, dann wäre das auch überhaupt nichts Besonderes mehr.

Genauso ist das mit der Inklusion. Je öfter Menschen mit Behinderung in den Alltag von Menschen ohne eine Einschränkung integriert werden, desto weniger ungewohnt ist das dann auch!

Ich habe wirklich ein bisschen an mir und meiner Toleranz gezweifelt!

Schließlich möchte ich selbst akzeptiert und toleriert werden.

Also möchte ich im Gegenzug andere Menschen ebenso akzeptieren! Das tue ich meistens auch, aber da ich auf dem Bahnhof die Situation überhaupt nicht einschätzen konnte, war es für mich befremdlich.

Im Nachhinein fände ich es toll, wenn es öfter Menschen gäbe, die Texte rezitieren. Es würde die Wartezeit auf die nächste Bahn netter gestalten.

Aber vielleicht bleibt das auch erst mal eine Einzigartigkeit, die aber dennoch akzeptiert werden sollte.

Ich wünsche dem Mann alles Gute und hoffe, dass ihm das üben auf dem Bahnhof geholfen hat!

 

Geht es dir wieder besser? … Ging es mir jemals schlecht?

Heute hatten wir Besuch von einem Bekannten. Wir haben ihn schon eine längere Zeit nicht mehr gesehen. er fragte mich: „Geht es dir wieder besser?“. Ich war etwas verwirrt, habe aber dann gemerkt, dass er meine Blindheit meint. Es war sicher nicht böswillig gemeint. ER hatte sich einfach interessehalber erkundigt, aber diese Frage führt zu einem Thema, über das ich gerne schon längere Zeit schreiben würde.

 

Es wird oft unterschieden zwischen Gesunden und Behinderten.

Diese Unterscheidung wird auch oft von den Personen mit Behinderung selbst getroffen.

 

Aber warum?

 

Wenn man ein Handicap hat, ist man doch nicht gleichzeitig krank… oder etwa doch?

 

Und meine Antwort dazu lautet: Definitiv nein!

 

Krank ist man, wenn man eine Grippe oder etwas schlimmeres wie beispielsweise Krebs hat.

 

Aber eine Behinderung hat nichts damit zu tun!

Man leidet nicht darunter.

Man ist auch nicht jeden Tag deprimiert darüber, weil das Schicksal einen dazu verdonnert hat!

Für die Person muss auch nicht gebetet werden, damit die Behinderung wieder weg geht!

Man will nicht unbedingt etwas verbessern, selbst, wenn die Medizin es möglich machen würde. Bei dieser Ausssage ist zu beachten, dass es natürlich trotzdem Menschen gibt, die sich wünschen, ein Leben ohne Behinderung zu führen!

Man ist nicht besonderer als andere.

Man findet sich damit ab, lebt damit und zwar nicht unbedingt im Nachteil!

Man hat einige Vorteile. Und auch Menschen ohne eine Einschränkung profitieren von diesen Vorteilen. Beispielsweise, wenn es darum geht, gemeinsam die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, ein Besuch im Kino usw.

 

Es sind nur einige Beispiele, die beweisen, dass wir nicht krank sind!

 

Wir leben genauso gerne wie Menschen ohne Behinderung.

 

Und es gibt nicht den Unterschied zwischen Behindert und gesund!

Das Gegenteil von Gesund ist, soweit ich es gelernt habe, krank!

Folge dessen kann das Gegenteil von Gesund nicht gleichzeitig behindert sein!

 

Vielleicht seht ihr das anders, vielleicht aber auch genauso? Lasst es mich gerne wissen!

 

 

Es ist ganz normal

Mein kleiner Neffe ist fast 1/2 Jahre alt. Er kann schon etwas sprechen und wir können auch wunderbar zusammen spielen. Er liebt Bälle über alles! Das erste Mal, als mir auffiel, dass er merkte, dass ich anders bin war, als er mir den Ball direkt in die Hand legte. Ich konnte ihn dann zu seinem Opa werfen. Das zweite Mal war, als er immer, wenn er mir den Ball zuwarf, meinen Namen sagte. Er kann ihn noch nicht aussprechen, aber seit dem wir alle gemeinsam im Urlaub waren, sagt er „I“ zu mir. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass ich Franzi heiße und „I“ einer der wenigen Buchstaben des Namens ist, den er schon aussprechen kann. Am Anfang glaube ich, trennte er noch gar nicht so, da hießen alle aus der Familie „I“, weil alle unsere Namen mit „I“ enden. Aber seit neuestem unterscheidet er schon zwischen den Personen.

Er ist einfach so ein wunderbares, tolles und lebhaftes Kind.

Ein Sonnenschein in unserem Leben! Obwohl er sich noch nicht richtig ausdrücken kann, versteht er doch, dass ich nichts sehe. Das Beispiel mit dem Ball zuwerfen habe ich ja bereits erwähnt, aber da ist noch etwas ganz gravierendes. Das erste Mal, als es passierte war, als ich auf die Toilette gehen wollte. Er kam zu mir, nahm mich bei der Hand und führte mich zur Tür. Ich war ganz erstaunt und freute mich sehr, dass er dies tat. Auch, wenn wir zum Beispiel nach Draußen auf die Terrasse gehen, nimmt er meine Hand und führt mich hinaus. Wenn ich ihm sage: „Ein bisschen langsamer“, oder „Vorsicht“, versteht er es und achtet darauf.

Er hat viele verschiedene Bälle. Einen, der aus Stoff ist und den ich leider nicht höre, wenn er auf den Boden fällt. Ich bat ihn, einen anderen Ball zu verwenden, weil ich den besser höre und er hatte nichts dagegen.

Als wir eine ganze Weile nur zu zweit gespielt haben, hatten wir einen großen Ball.

Es war somit einfacher für mich, ihn zu finden, wenn mein Neffe ihn warf.

 

Ein Mal machten Oma, Opa und ich einen Ausflug zum nahegelegenen Bauernhof mit ihm. Als wir wieder zurück wollten, die anderen schon mit dem Kinderwagen losgefahren waren, ich aber noch kurz Zeit brauchte, um meine Handschuhe an zu ziehen, merkte er, dass ich nicht da war und rief „I!“ Die anderen bemerkten erst dann, dass ich mich nicht hinten am Kinderwagen festhielt.

 

Es sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie er wahrnimmt, dass ich nichts sehe. Ein bisschen anders bin als der Rest der Familie. Aber er nimmt es an, ohne es komisch zu finden. Er integriert mich auf seine eigene Art und Weise. Wenn er sich ein Mal ausdrücken kann, wird er bestimmt nach fragen, warum seine Tante ihn nicht sehen kann. Ich werde es ihm erklären und ihm mit Stolz sagen, dass er es schon ganz früh gemerkt hat!

 

Sehr stolz bin ich auf seine Mama, weil sie viel mit ihm spricht. Wenn sie zum Beispiel Videos von ihm macht, erklärt sie alles und auch im Alltag reden die beiden viel miteinander. Darum spricht er auch schon so gut und viel.

 

Er geht ganz natürlich mit mir um und nimmt mich so, wie ich bin! Als Mensch, aber vor allem als seine Tante Franzi „I“!

 

 

Workshop Audiodeskription Teil 4: Tag 3: Von unsichtbaren Fröschen und künstlichen Stimmen

Tag 3: Sonntag, 28.01.2018

Wieder um 09:30 Uhr trafen wir alle zusammen. Der Plan für heute war es, am Film „Tschick“ von gestern weiterzuarbeiten. Diesmal durften wir uns Szenen aussuchen. Entweder eine Szene, in der die Hauptfigur traurig ist oder eine andere, die etwas schwieriger zu beschreiben ist, da sie eine Sequenz enthält, die nur der Vorstellung der Hauptfigur entspricht. Unsere Gruppe entschied sich für die melancholische Szene, da es viele Sprechpausen gab und dadurch viel Zeit zum Beschreiben war. Einfach war es nicht. Wir hatten am Ende nicht so viel Beschreibungstext, da wir die melancholische Stimmung des Films rüberbringen wollten. Wir diskutierten kurz, ob wir die Zeit nutzen sollten, um die Hauptperson zu beschreiben, entschieden uns aber dagegen, da die Stimmung uns wichtiger erschien. Als wir dann alle zusammen die originale Audiodeskription anhörten, stellten wir fest, dass die Person kurz beschrieben wurde, also das, was wir nicht machen wollten. Herr Benecke war sehr zufrieden mit unserer aller Leistung.

Zum Abschluss gab er Tipps, welche Aussichten wir mit diesem Workshop hatten. Beim Bayerischen Rundfunk hätten wir keine Chance, uns zu bewerben, dafür aber beim NDR und WDR. Auch gibt es Firmen, wie TV Text international, Untertitelwerkstadt, Audioskript.

Da man mit drei Tagen Workshop noch nicht vollständig professionell arbeiten kann, empfiehlt es sich auch, bei einem bestehenden Team oder einzelnen Autoren zu hospitieren.

Dann zeigte er uns noch einige Filmbeispiele.

Unter anderem eine schon etwas ältere Waschmittelwerbung. Diese wurde mit AD ausgestattet, da eine blinde Frau mitspielte. Sie wurde dreisprachig entwickelt, was normalerweise bei AD unüblich ist: Deutsch, Französisch und Italienisch.

Ein wirklich schönes Beispiel finde ich die beiden Filme von Bibi Blocksberg. Der Schauspieler von Bernhard Blocksberg, Bibis Vater, übernahm den Sprecher der AD und kommentierte aus seiner Sicht das Geschehen. Das finde ich für Kinder wirklich toll, Audiodeskription erlebbar und lustig zu gestalten!

Es kommt auch vor, dass AD mit künstlicher Stimme hergestellt wird. Diese klingt wirklich schrecklich. Wie die künstliche Sprachausgabe meines Handys. Für einen richtigen Film nicht empfehlenswert! Allerdings fände ich das persönlich für YouTube-Videos klasse! Genauso wie man dort die Untertitel einstellen kann, so könnte man dann auch die AD einstellen. Also, wenn das hier jemand von YouTube liest, der melde sich bitte bei mir!

Im Herbst soll es ein Aufbauseminar geben. Allerdings muss man, um daran teilnehmen zu können, selbst schon in dem Bereich AD gearbeitet haben.

Ich könnte mir wirklich gut vorstellen, in diesem Bereich tätig zu sein. Nicht alleine, das weiß ich selbst, ist vollkommen unmöglich, aber es ist sehr wichtig, dass blinde Menschen in die Erstellung von Audiodeskription mit einbezogen werden. Sind doch wir diejenigen, die es am allermeisten brauchen!

Was mir sehr gefallen hat war, dass die Sehenden viel mehr für Geräusche sensibilisiert wurden. Zum Beispiel war es so, dass bei dem Film „Tschick“ in einer Szene Frösche zu hören waren, die mir sofort auffielen, meinen beiden Kolleginnen aber erst, nachdem ich das Froschquaken erwähnte. Eine der Beiden erzählte mir dann, dass die Frösche im weiteren Verlauf des Films noch eine Rolle spielen werden, weshalb es wichtig ist, das Hintergrundgeräusch, in dem Fall das Quaken, nicht zu übersprechen.

Ich bin sehr froh, an diesem Workshop teilgenommen zu haben. Dank gilt auch den Organisatoren, dem Referenten, Herrn Benecke, und vor Allem den Teilnehmer/innen, die sich für das Thema interessieren.

Workshop Audiodeskription Teil 3: Tag 2: Von Doktorarbeiten, Methoden und berühmten Jugendfilmen

Tag 2: Samstag, 27.01.2018

Tag zwei startete etwas früher, nämlich um 09:30 Uhr. Diesmal begann der Tag damit, dass Herr Dr. Benecke über seine Doktorarbeit „Audiodeskription – partielle Transkription“ sprach. Er erklärte uns zwei Dinge aus seiner Doktorarbeit: Was ein Holon und eine Aspektmatrix ist.

Ein Holon ist die inhaltliche Zusammenfassung des Films (kurze Stichpunkte, die beschreiben, was der Film für den Zuschauer, der die AD erstellt, aussagt).

Eine Aspektmatrix ist die Einteilung des Films.

Dabei werden folgende Dinge berücksichtigt:

Hat die Musik einen großen wichtigen Anteil am Bild? Man kann sich das so wie bei „Peter und der Wolf“ vorstellen. Da hat jede Figur ihre eigene Erkennungsmelodie.

Er erklärte uns, dass es auch Musik gibt, die nicht zum Bild passt.

Sind Geräusche auffällig, muss man diese erklären – oder sind sie selbsterklärend?

Dabei ist wichtig, dass der Ton (wichtige Geräusche, Dialoge) unangetastet bleibt, also keine Audiodeskription verwendet wird. Ausnahmen gibt es beim Übersprechen von Dialogen, wenn diese nicht unbedingt relevant für den Film sind. Das aber wirklich nur im Notfall und auf keinen Fall bei Kinoproduktionen!

Wann treten Personen zum ersten Mal auf, wann werden die Namen im Film erwähnt? Das ist sehr unterschiedlich. In einigen Audiodeskriptionen werden Personen gleich am Anfang erwähnt, obwohl sie noch nicht im Film genannt worden sind. Meist bei Serien ist das der Fall, da man die Personen schon kennt.

Wir probierten das an dem Jugendfilm „Tschick“, nach dem Roman von Wolfgang Herrendorf. Das Buch habe ich gerade angefangen zu lesen.

Diesmal wurde ich in eine neue Gruppe eingeteilt. Wir sollten zuerst eine Aspektmatrix und ein Holon erstellen. Das dauerte und wir brauchten auch sehr viel Zeit dafür. Danach gab es Mittagessen. Anschließend erstellten wir die Audiodeskription. Wir kamen, wie schon am Vortag, nicht so weit, zwei, drei Minuten, aber immerhin! Die anderen waren ebenfalls unterschiedlich weit gekommen. Eine Gruppe sogar ungefähr zehn Minuten. Man muss aber dazu sagen, dass sie über die kurze Kaffeepause hindurch geschrieben hatten. Wieder bewerteten wir uns gegenseitig und wie am Vortag hätte man alles zusammenlegen können, um eine perfekte AD zu erhalten. Dann war auch dieser Tag zu Ende.

Workshop Audiodeskription Teil 2: Tag 1: Rund um die Geschichte der AD und zwei urige Polizisten

Tag 1: Freitag, 26.01.2018

Um 10:00 Uhr ging es los. Zuerst bekamen wir eine Einführung von Prof. Dr. Maier, dem Leiter der Hochschule.

An diesem Tag fand auch die 65-Jahr-Feier des SdI statt.

Anschließend gab es eine Vorstellungsrunde.

Die Teilnehmer kamen aus ganz unterschiedlichen Branchen, wie Übersetzer, Untertitler und vom Film.

Die meisten stammten nicht aus München, sondern waren über ganz Deutschland und sogar Österreich verteilt.

Ich finde es schön, dass so viele wegen des Workshops von so weit herkommen.

Es waren insgesamt 13 Teilnehmer, mich eingeschlossen.

 

Dann begann Herr Benecke, die Geschichte der Audiodeskription zu erzählen.

Die Audiodeskription wurde in den 70er Jahren in den USA entwickelt.

1989 kam sie dann auch nach Deutschland.

Andere europäische Länder schlossen sich an. Es gab nie eine einheitliche Audiodeskription, jedoch seit rund 15 Jahren einen Austausch der Länder.

Durch einen Vorleseservice für Blinde entstand die AD am Theater.

1993 wurde die erste Serie mit Audiodeskription im ZDF ausgestrahlt.

2013 wurden die Rundfunkgebühren auch für Behinderte fällig. Die öffentlich-rechtlichen Sender entschieden im Gegenzug, vor allem die Vorabendserien mit Audiodeskription und Untertiteln (für Hörgeschädigte) zu versehen.

Wenn Filme eine Filmförderung erhalten, müssen sie ebenfalls mit einer Audiodeskription versehen werden. Leider ist es nicht immer so einfach, die Zielgruppe zu erreichen, weshalb viele Audiodeskriptionen zwar hergestellt, aber nicht ausgestrahlt werden. Meistens ist aber das Geld ein Problem. Für eine Audiodeskription müssen rund 5.000 € eingeplant werden.

 

Weltweit gibt es Filme mit Audiodeskription.

Wir schauten uns Englische und Französische ADs an.

So unterschiedlich, wie die Länder sind, so unterschiedlich ist auch der Beschreibungsstil der AD.

Die Franzosen sind sehr blumig und interpretierend.

Für mich sind englische Audiodeskriptionen sehr lebendig. Die Sprecher fiebern fast schon das Geschehen mit!

Auf Englisch gibt es fast keinen Film ohne Audiodeskription. Sogar Netflix bietet Serien mit AD auf Englisch an.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den USA keine App fürs Kino, dafür kann man sich aber im Kino Filme mit AD über Kopfhörer ansehen.

Auch bei uns wird diese Form angeboten, ist jedoch selten. Hier in Deutschland gibt es die App Greta, mit deren Hilfe es möglich ist, Filmbeschreibungen herunterzuladen und diese dann mit dem Film im Kino zu synchronisieren. Viele Filme werden durch die App angeboten. Auch auf DVDs ist die AD vorhanden. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Kino und DVD-Version bei Greta. Die Bildanzahl pro Sekunde ist beim Kino höher, bei DVDs muss das Ganze noch zusammengemischt werden. Wenn man sich einen Film im Fernsehen anschauen will, bei dem die AD nicht direkt im Fernsehen verfügbar ist und man diese über GRETA schauen möchte, muss man darauf achten, die DVD Fassung in der App auszuwählen. Mir ist das nämlich schon passiert, dass ich den Film abgespielt habe, die AD aber viel langsamer war, als der Film.

 

Ein neues Feld ist auch die Live-Audiodeskription. Beispiele dafür sind Theater oder Musicals. Manchmal gibt es sogar die Möglichkeit, die Bühne, Kostüme und Requisiten vor der Vorstellung anzufassen. Das nennt man dann Audiointro. Dazu sahen wir uns ein Beispiel vom Theaterstück Pinochio an.

Ein Bereich, der noch nicht so sehr mit AD abgedeckt ist: Museen.

 

Dann begann der praktische Teil.

Wir erhielten die Aufgabe, einen Raum, den wir kennen, zu beschreiben.

Danach musste jemand anhand der von einer anderen Person diktierten Beschreibung den Raum abzeichnen. Dies war gar nicht so einfach, weil die beschreibende Person immer wieder auf die Zeichnung der anderen Person schaute. Ziel war es jedoch, sich nur auf den eigenen Teil der Aufgabe zu konzentrieren.

Anschließend gab es eine zweite Aufgabe: Ein Gemälde beschreiben.

Für den Anfang gelang das sehr gut.

 

Uns wurde erklärt, wie man eine AD schreibt. Sie wird im Präsens geschrieben, Interpretationen sollten vermieden werden.

Die wichtigsten Fragen, die man sich immer stellen sollte, sind:

Wo sind wir?

Wer handelt?

Was passiert?

Auch ist es wichtig, Farben, Gestik, Mimik und Geräusche zu erklären, die nicht eindeutig zuzuordnen sind.

Eine Hilfe ist der Timecode und ein Keyword.

Der Timecode ist die im Bild mitlaufende Uhr. Beim Film sind es sechs Stellen. Beispiel:

0:01:35

Also 0 h, 1 min., 35 Sek.

Das Keyword bestimmt, ab wann man lossprechen kann. Das Keyword kann entweder ein Wort, ein Satz oder ein Geräusch sein.

Dann durften wir an richtigem Filmmaterial arbeiten.

Es war eine Folge von „Hubert und Staller“, eine bayerische Krimiserie. Alle wurden in Teams, bestehend aus zwei oder drei Mitgliedern, eingeteilt. In jedem Team sollte ein Blinder dabei sein. Da ich die einzige „echte“ Blinde im Workshop war, sollte ich in verschiedenen Teams mitarbeiten. Jedes Team zog sich in einen dafür vorgesehenen Raum zurück. Wir schauten uns zuerst die ersten Minuten an. Gleichzeitig beschrieben mir meine beiden Teamkolleginnen die Bilder. Dann schauten wir die Szene noch einmal und stoppten, wann immer es etwas zu beschreiben gab. Wir schrieben uns den Timecode und das Keyword auf und dann versuchten wir, geeignete Formulierungen zu finden. Manchmal mussten wir aufpassen, bei Kleinigkeiten, die für den Film möglicherweise unrelevant waren, nicht zu sehr ins Detail zu gehen.

Gefühlt konnten wir die Dialoge der Szene schon mitsprechen, da es immer widerholt werden musste. Aber das ist natürlich logisch, wenn man noch nicht so drin ist, braucht man länger.

So waren wir mächtig stolz, dass wir in zwei Stunden Arbeitszeit zwei Minuten des Films beschrieben hatten. Die Auswertung fand dann wieder mit allen zusammen statt. Wir diskutierten über jede einzelne Fassung und ich bin mir sicher, wenn wir von jeder Fassung einzelne Teile genommen hätten, wäre es die perfekte Audiodeskription geworden. Außerdem schauten wir uns die „Musterlösung“ an, also die originale AD. Dabei fielen uns auch Dinge auf, die nicht hundertprozentig gelungen waren. Es gibt kein perfekt oder unperfekt. Das wichtige ist: Say what you see! Du sagst, was du siehst, nicht das, was du glaubst zu sehen!

Anschließend gingen wir noch in ein schönes Restaurant, gegenüber dem Hofbräuhaus, essen.